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Vertrauensarbeitszeit

Das Modell der Vertrauensarbeitszeit beruht auf einer Arbeitsorganisation, in der die Arbeitszeiten nicht klar vorgegeben sind. Schwerpunkt liegt auf der Erreichung von Zielen und auf der Leistung der Mitarbeiter. Nicht die zeitliche Präsenz der Beschäftigten steht im Fokus, sondern die Erledigung der vereinbarten Aufgaben. Der Arbeitnehmer ist selbst dafür verantwortlich, wie er seine flexible Arbeitszeit gestaltet. Zeiterfassung und Kontrolle entfallen weitgehend.

Ausschöpfung der Personalressourcen und Steigerung der Motivation

Ziel ist es, durch die flexible Arbeit die Motivation der Mitarbeiter zu stärken. Ihre individuellen Leistungskurven und ihre persönlichen Gegebenheiten werden deutlicher berücksichtigt als bei anderen Zeitmodellen. Mit dem Konzept soll erreicht werden, dass Personalkapazitäten optimal zum Tragen kommen und auch, dass Personalkosten eingespart werden. Die Ressourcen der Beschäftigten wie Qualifikation, Eigenverantwortung und unternehmerisches Denken werden so gezielter in den Dienst des Firmenerfolgs gestellt.

Dem Konzept dieses Arbeitszeitmodells liegt eine Kultur des Vertrauens zugrunde. Die Firmenleitung setzt auf die Zuverlässigkeit der Mitarbeiter, auf deren Sozialkompetenzen und deren Fähigkeiten zum Selbstmanagement. Mitarbeiter müssen selbständig ihre Arbeitsorganisation realisieren, die benötigte Arbeitszeit und betriebliche Anforderungen abschätzen und ihr Vorgehen strukturieren. Vertrauenskultur bedeutet dabei eine Herausforderung für alle Beteiligten. Auch die Sozial- und Führungskompetenz der Vorgesetzten ist gefragt, da sie vor allem in der Lage sein müssen, genügend Freiheit einzuräumen.

Weiterlesen: Das EuGH-Urteil und die Zeiterfassung bei Vertrauensarbeitszeit?

Konkrete Realisierung der Vertrauensarbeitszeit

Zielvereinbarungen stehen bei dieser Art der Arbeitsorganisation an oberster Stelle. Konkrete Ziele werden festgehalten und die Zeitfenster für die Zielerreichung festgelegt. Realistische und umsetzbare Zeitvorgaben sind dabei von hoher Bedeutung. Auch eine Planung des Umgangs mit eventuellen Risiken ist erforderlich. Damit kann man im Notfall auf Unwägbarkeiten der Projektentwicklung oder des Arbeitsablaufs sinnvoll reagieren.

Die Kontrolle und die Aufzeichnungspflicht darüber, ob Beschäftigte die Arbeitszeit exakt bis zur letzten Minute einhalten, erübrigen sich. Kein Mitarbeiter ist genötigt, einen Eindruck von stetigem geschäftigem Engagement zu erwecken, was dem Nutzen von schöpferischen Pausen zugute kommt.

Die Leistungsbeurteilung der Beschäftigten erfolgt aufgrund der Arbeitsergebnisse, nicht anhand der aufgewendeten Zeit.
Eine weitere Leistungskontrolle ergibt sich, wenn Ziele, Projekte und Teams ineinandergreifen. Eine gewisse zeitliche Festlegung ist erforderlich, sobald vernetzt gearbeitet wird. Hier geht es kaum ohne ein Minimum an abgesprochenen oder festgelegten Präsenzzeiten.

Betriebliche Anforderungen und rechtliche Arbeitsschutzregelungen müssen eingehalten werden

Durch die Vertrauensarbeitszeit sind die Mitarbeiter nicht etwa vollkommen flexibel und frei. Ihr Einsatz wird durch die betrieblichen Interessen bestimmt. Das gilt sowohl im praktischen Arbeitsablauf, als auch hinsichtlich der Rechtslage. Wenn jegliche Kontrolle entfällt, widerspricht das den in Deutschland geltenden Arbeitsschutzgesetzen.

Das Arbeitszeit– und das Arbeitsschutzgesetz sollen auch beim Modell der Vertrauensarbeitszeit die Arbeitnehmer schützen. Überhöhter Belastung und negativen Auswirkungen auf die Gesundheit soll vorgebeugt werden, etwa wenn sich Überstunden ausweiten und die Höchstarbeitszeit dauerhaft überschritten wird. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber seinen Betrieb so führen muss, dass die geltenden Gesetze, Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge umgesetzt werden. Eine Kontrolle des Arbeitgebers findet dadurch statt, dass er mit dem Betriebsrat überwachen muss, ob alle Schutzgesetze und tariflichen Vereinbarungen eingehalten werden.

Highpotentials arbeiten zunehmend im flexiblen Modell der Vertrauensarbeitszeit

Vertrauensarbeitszeit wird im Dienstleistungssektor verstärkt zum Arbeitszeitmodell, vorwiegend in Branchen wie Softwareentwicklung, Telekommunikation oder Multimedia. Vor allem in Unternehmensbereichen mit akademisch gebildeten und höher qualifizierten Arbeitnehmern wird diese Arbeitszeitregelung immer öfter vereinbart.

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