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Mehrwertsteuer im Kleingewerbe

Von Recht
Mehrwertsteuer und Kleingewerbe. Wie sollen Kleinunternehmer mit der Thematik umgehen? Lesedauer: 3 Minuten

Viele Existenzgründer starten per Kleingewerbe in die Selbstständigkeit und stehen damit Recht früh vor vielen Fragen, unter anderem zur Regelung der Mehrwertsteuer. Die wichtigsten Regelungen sind jedoch in der Kleinunternehmerregelung aufgeführt. Diese hat hat der Gesetzgeber aufgestellt, um das Wirtschaften mit niedrigen jährlichen Umsätzen zu vereinfachen.

Wer ist Kleinunternehmer nach §19 UstG?

Als Vereinfachungsregelung im Umsatzsteuerrecht gedacht, besagt die Kleinunternehmerregelung nach §19:

  • Der Umsatz darf für das vergangene Kalenderjahr 22.000 Euro nicht überschreiten. Dies gilt seit dem 1. Januar 2020, zuvor waren es 17.500 Euro.
  • Im laufenden Kalenderjahr darf der Umsatz 50.000 Euro nicht übersteigen.

Im Gründungsjahr gilt für Kleinunternehmen und Mehrwertsteuer:

  • Der Umsatz wird auf 12 Monate hochgerechnet (§ 19 Abs. 3 Satz 3 und 4 UStG).

Grundsätzliches zu Kleingewerbe und Mehrwertsteuer

Wer als Kleinunternehmer die beiden genannten Kriterien erfüllt, der kann von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen und sich von der Umsatzsteuer befreien lassen. Dies bedeutet konkret, dass Kleinunternehmer keine Mehrwertsteuer in ihren Rechnungen auszuweisen brauchen. Ein entsprechender Hinweis gehört in Ihre Rechnungen (lesen Sie dazu weiter unten).

Weiterhin wird für Kleinunternehmer der Vorsteuerabzug hinfällig, das heißt, dass für gezahlte Rechnungen an andere Unternehmen keine Erstattung der Vorsteuer beantragt werden kann.

Wichtig: Die Regelung bezüglich Mehrwertsteuer und Kleinunternehmer ist freiwillig, denn sie lohnt sich nicht für jeden.

Falls Sie darauf verzichten, obwohl Sie die Umsatzgrenze unterschreiten, müssen Sie „[…] fünf Jahre warten, um sie wieder zu beanspruchen. […] Man kann nicht jedes Jahr neu entscheiden, wie es einem passt.“

Denn ein „Unternehmer, der wegen hoher Vorsteuererstattungen freiwillig von der Kleinunternehmerregelung zur Regelbesteuerung wechselt, ist fünf Jahre lang an die Regelbesteuerung gebunden.“

Pro und Contra der Kleinunternehmerregelung

Die Vorteile der Kleinunternehmerregelung:

  • Sie müssen nicht zwischen Brutto und Netto unterscheiden – dies gilt für Ihre Ausgangsrechnungen und Ihre Betriebsausgaben. Auch entfallen die Umsatzsteuervoranmeldungen. Die Umsatzsteuererklärung fürs ganze Jahr müssen Sie zwar ausstellen, aber das ist schnell erledigt.
  • Privatkunden können Sie Ihre Produkte oder Leistungen preisgünstiger als Ihre Konkurrenten mit Regelbesteuerungspflicht verkaufen. Allerdings greift dieser Bonus nicht bei vorsteuerabzugsberechtigten Geschäftskunden, denn diese erhalten für den Vorsteueranteil eine Erstattung vonseiten des Finanzamts.

Die Nachteile der Kleinunternehmerregelung:

  • Im Falle einer positiven Entwicklung des Kleinunternehmens, ist zur Regelbesteuerung überzugehen und die bisherigen steuerlichen Vorteile entfallen und sind meist durch Preiserhöhungen auszugleichen
  • Gegenüber Geschäftskunden kann es das eigene Image herabsetzen, ein Kleinunternehmer zu sein, da dies manchen als unprofessionell gilt.
  • Hohe Anfangsinvestitionen in einem jungen Kleinunternehmen erfordern meist hohe Betriebsausgaben, die nicht durch den Antrag auf Vorsteuerabzug ausgeglichen werden können.

Kleingewerbe und Mehrwertsteuer: Achtung, Fehler

In puncto Kleinunternehmen und Mehrwertsteuer sollten Sie unbedingt den Fehler vermeiden die Umsatzsteuer unberechtigt auszuweisen:

Ein nicht umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer im Kleingewerbe wendet die Mehrwertsteuer dennoch auf seine Leistungen an, riskiert dabei Ärger mit dem Kunden und halst sich nebenbei zusätzlichen Papierkram auf – und muss am Ende noch draufzahlen.

Wer nach § 14c Abs. 2 UstG die Umsatzsteuer unberechtigterweise ausweist, muss man den jeweiligen Steuerbetrag ans Finanzamt abführen. Der Unternehmer, der die Rechnung falsch ausgestellt hat, ist dazu verpflichtet den Rechnungsempfänger darüber zu informieren und eine Korrektur beim Finanzamt beantragen.

Wann beginnt die Pflicht zur Mehrwertsteuer für Kleinunternehmer?

Sofern Sie beim Finanzamt als Kleinunternehmer gelten, im Vorjahr jedoch mehr als 22.000 Umsatz erzielt haben, müssen Sie ab 1. Januar des aktuellen Jahres zum ersten Mal Umsatzsteuer berechnen.

Bei vielen Kleinunternehmern schwankt der jährliche Umsatz.

Überschreitet jedoch der Vorjahresumsatz die 22.000-Euro-Grenze, muss ab dem nächsten 1. Januar ohne Ausnahmen zur Regelbesteuerung übergegangen werden. Dies gilt auch im Falle dessen, wenn klar ist, dass der Umsatz des laufenden Jahres wieder unterhalb der 22.000 Euro-Grenze liegen wird.

So verfassen Sie Rechnungen im Kleingewerbe

Wenn Sie nach § 2 UstG Unternehmer sind, obliegt es Ihnen, Rechnungen zu schreiben, die Folgendes beinhalten:

  • Vollständige Adressen
  • Ihre Steuernummer und das betreffende Finanzamt
  • Rechnungsdatum
  • Rechnungsnummer
  • Was und wie viel Sie geliefert haben bzw. als Dienstleistungen erbracht haben
  • Wann Sie dies geliefert haben mit Monatsangabe bzw. Erwähnung, falls Liefer- bzw. Leistungsdatum und Rechnungsdatum identisch sind
  • Einen Passus wie diesen: „Kein Umsatzsteuerausweis aufgrund Anwendung der Kleinunternehmerregelung gemäß § 19 UStG.“

Beachten Sie auch die Pflichtangaben nach § 14 Abs. 4 UstG.

Lesen Sie in diesem Artikel weiter zum Thema Kleinunternehmer und Rechnungserstellung.

Online-Generator statt Musterrechnungen für Kleinunternehmer nach §19

Musterrechnungen für Kleinunternehmer nach §19 UstG gibt es im Internet, doch mit deren Nutzung riskieren Sie kostspieligen Ärger mit dem Fiskus. Hingegen lautet ein guter Tipp, einen kostengünstigen Online-Generator für Rechnungen einzusetzen, auch dann, wenn Sie den Kleingewerbestatus überschreiten. Sie durchlaufen per System einen einfachen Frage-Antwort-Dialog, an dessen Ende Sie Ihre individuellen Rechnungsdokumente erhalten.

Ihre Vorteile des Online-Generators für Rechnungen:

  • Gesetzeskonforme Rechnungen nach UstG mit allen Pflichtangaben
  • Gutschriften bei Bedarf generieren
  • Rechnungen für Produkte oder Dienstleistungen
  • Alle Rechnungen entsprechen der DSGVO.

Anmerkung: Ein Online-Generator ist vertrauenswürdig und sichert Sie rechtlich ab, ersetzt aber nicht die Kooperation mit einem Anwalt.

Nicht ohne Tücken – Kleinunternehmen und Mehrwertsteuer

Das Thema Kleingewerbe bzw. Kleinunternehmen und Mehrwertsteuer hat seine Tücken. Schließlich ist es ist nicht trivial, ein Kleingewerbe gesetzeskonform zu starten. So hat es sowohl Vor- als auch Nachteile, die Kleinunternehmerregelung anzuwenden. Meist muss man früher oder später zur Regelbesteuerung wechseln.

Des Weiteren kommt es vor, dass der eigene Umsatz von Jahr zu Jahr schwankt – wieder ein Grund, sich bezüglich Kleingewerbe und Mehrwertsteuer schlau zu machen. Darüber hinaus obliegt es Ihnen auch als Kleinunternehmer, Rechnungen korrekt auszustellen. Das ist kein Hexenwerk, zumal Ihnen ein effizienter Online-Generator helfen kann, den Sie schnell am PC zur Hand haben. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, sich durch diese bequeme Anwendung rechtlich abzusichern.