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Low Touch Economy für Kleinunternehmen

Von Marketing
Welche Chancen bieten sich durch die Low Touch Economy für Kleinunternehmen? Lesedauer: 3 Minuten

2020 hat unser Leben komplett auf den Kopf gestellt – von einem Tag auf den anderen waren alle Restaurants, Fitnessstudios, Diskotheken, Frisörsalons und vieles mehr geschlossen. Zwar dürfen inzwischen die meisten Läden, Cafés, Bars, Nagelstudios und einige andere wieder öffnen, aber dennoch ist nichts wie vorher – die Anstandsregeln und Hygienevorschriften prägen nun unseren Alltag. Konsum, die Inanspruchnahme von Dienstleistungen und allgemein wirtschaftliche Abläufe sind nun unweigerlich zum Teil der „Low Touch Economy“ geworden.

Aber was ist mit diesem Begriff eigentlich gemeint, der jetzt in aller Munde ist? Die Low Touch Economy ist eine Wirtschaftsform, die sich durch ein kontaktarmes bis kontaktloses Konsumverhalten, strenge Hygienemaßnahmen und zahlreiche Reisebeschränkungen auszeichnet. Insgesamt betrachten Wirtschaftsfachleute 2020 als Übergangsjahr zur Low Touch Economy, die neben den Einschränkungen den Kleinunternehmern jedoch auch einige neue Perspektiven eröffnet.

Was bedeutet die Low Touch Economy für Kleinunternehmen?

Generell sollten Unternehmer davon ausgehen, dass der menschliche Kontakt weiter abnehmen wird. Wenn man beim Einkaufen an Kontaktvermeidung denkt, kommen einem sofort kontaktlose Zahlungssysteme wie Apple Pay oder Google Pay in den Sinn. Einige Serviceanbieter nutzen diese Zahlungsform schon, um ihren Kunden mehr Komfort zu bieten. Aber das ist nicht die einzige bereits verfügbare Methode, die von der Low Touch Economy verwendet wird. In der Gastronomie wird nun deutlich öfter auf kontaktarme Bedienmethoden wie Drive-Ins oder Essenslieferungen nach Hause zurückgegriffen.

Für klassische Einzelhändler mit stationärem Laden kann der Übergang zur Low Touch Economy bedeuten, dass sich die Kunden nur noch so lange wie nötig im Laden aufhalten wollen. Viele Verbraucher verbringen die Zeit, die sie für die Produktsuche und -auswahl benötigen, daher nicht im Laden, sondern im Internet. Einige Geschäfte bieten ihren Kunden bereits den Service an, Waren online zu bestellen und vor Ort schnell abzuholen. Solche Angebote werden stärker zunehmen und erhöhen dadurch die Notwendigkeit für Kleinunternehmer, einen E-Commerce-Bereich zur eigenen Internetpräsenz hinzuzufügen.

Durch den Wandel hin zu einer Low Touch Economy hat die Online-Welt noch einmal mehr an Bedeutung gewonnen. Besonders Kleinunternehmer sollten diesen Wandel im Auge behalten und Ihr Geschäftsmodell auf das veränderte Konsumverhalten anpassen, um langfristig erfolgreich zu bleiben. Kleinunternehmer sollten sich darauf vorbereiten, dass sie ihre Kunden jetzt vermehrt über digitale Kontaktwege wie die sozialen Medien oder beliebte Liefer- und Serviceapps erreichen müssen.

Wie ändert sich das Konsumverhalten 2020 in Deutschland?

Durch die neue Normalität und die Angst vor einer Ansteckung hat sich das Kaufverhalten der Deutschen deutlich verändert. Diese Veränderungen waren zum Teil schon im Gange, wurden durch die Coronakrise jedoch beschleunigt.

  1. Die Deutschen kaufen lokal: Während der Coronakrise sind vor allem Geschäfte in der Nachbarschaft in den Fokus gerückt und viele Deutschen wollen laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos kleinere Läden vor Ort auch weiterhin unterstützen.
  2. Der Trend geht zu To-Go für alles: Da die Verbraucher immer weniger Zeit im Laden verbringen, werden inzwischen nicht nur Getränke oder Essen zum Mitnehmen angeboten, sondern auch andere Produkte und Dienstleistungen wie Keramik zum Selbermachen für den Hausgebrauch zur Verfügung gestellt.
  3. Online-Einkäufe von Lebensmittel nehmen zu: Der wichtigste Grund, warum Lebensmittel im Internet gekauft werden, besteht darin, dass Verbraucher Kontakt zu anderen Menschen im Supermarkt vermeiden wollen. Dies ist im Online-Handel etwas Besonderes, denn üblicherweise ist der günstige Preis der Hauptgrund für den Einkauf im Netz.
  4. Bargeldlose Bezahlmöglichkeiten werden vermehrt genutzt: Die neuen Regelungen haben dazu geführt, dass Verbraucher verstärkt ihre Bankkarten zum Bezahlen nutzen. Auch diese Veränderung ist eine Besonderheit für das Bargeldland Deutschland. Zudem sind viele Deutsche dazu bereit, andere kontaktlose Bezahlmethoden ausprobieren, um ihren Pin nicht mehr in den Kartenleser eingeben zu müssen.
  5. Die Erwartungen an Hygiene sind stark gestiegen: Aufgrund der Sorge, sich mit dem Virus anstecken zu können, stellen Verbraucher nun höhere Anforderungen an Hygiene. Dadurch verändert sich auch das Design von Produktverpackungen. Außerdem wird beim Besuch eines Frisörsalons oder Restaurants deutlich mehr auf die Sauberkeit geachtet.

Strategien für Kleinunternehmen beim Übergang zur Low Touch Economy

Die Low Touch Economy steht in erster Linie für mehr Komfort und Sicherheit für die Kunden. Wirtschaftsexperten empfehlen Einzelhändlern und Dienstleistern daher, ihre Lieferbedingungen zu verbessern. In Bezug auf die Versandgeschwindigkeiten sind die Verbraucher anspruchsvoller geworden und erwarten, dass sie ihre bestellten Produkte umgehend erhalten. Außerdem sollte der Kundenservice optimiert werden, das heißt korrekt, dass er am besten über verschiedene Kanäle und rund um die Uhr erreichbar ist.

Darüber hinaus sollten lokale Händler die bereits erwähnten kontaktlosen Zahlungssysteme wie Apple Pay und Google Pay einführen. Die Außenfläche von stationären Geschäften sollte zudem kreativ umgestaltet werden, um den Kunden die Wartezeit zu verschönern und Hemmungen beim Betreten des Ladens abzubauen. Hierbei bietet sich Ladenbesitzern die Möglichkeit, Werbung für neue komfortablere Serviceangebote zu machen. Da Verbraucher nun weniger Zeit im Geschäft verbringen als früher, müssen Mitarbeiter die Beratung deutlich zügiger durchführen und dafür möglicherweise gezielt geschult werden.

Übergangsphase für Anpassung an kontaktloses Einkaufen nutzen

Die große Herausforderung für Kleinunternehmen an der Low Touch Economy besteht darin, dass viele nicht darauf vorbereitet sind, ihre Waren oder Dienstleistungen kontaktlos zu verkaufen. Allerdings sind die hier vorgestellten Strategien bereits erhältlich und relativ leicht umsetzen – so sind sie in vielen anderen Ländern bereits überwiegend eingeführt. Die aktuelle Übergangsphase ist auch ein Test für die Innovationsfähigkeit ihres Kleinunternehmens. Sie sollten diese Zeit daher nutzen, um ihre Online-Präsenz für beispielsweise Suchmaschinen zu optimieren, in den sozialen Medien aktiver zu werden und ihren Kundenservice zu erweitern.