4 Gründe, warum das Handwerk wichtig ist

Vor 10.000 Jahren entwickelte sich das Handwerk und ist bis heute das Herz der Wirtschaft. Viele Hunderttausend Handwerksbetriebe beschäftigen über 5 Millionen Menschen. Der jährliche Umsatz des Handwerks beträgt Hunderte Milliarden Euro. Das alleine macht die herausragende Bedeutung deutlich. Es gibt jedoch weitere Gründe:

Erster Grund: Die Ausbildung ist Weltklasse

Vielfältig und modern

Das Berufsangebot im Handwerk ist äußerst vielfältig, über 130 Gewerbe sind derzeit als Ausbildungsberuf gelistet. Einige der beliebtesten Ausbildungsberufe gehören dazu wie Kfz-Mechatroniker. Auch der Holzspielzeugmacher ist ein Gewerbe, genau wie die Fachkraft für Kerzenherstellung und Wachsbildnerei. Manche Berufe klingen "Old School", aber Handwerksberufe sind überhaupt nicht verstaubt. Berufsbilder wurden und werden kontinuierlich an sich verändernde gesellschaftliche und professionelle Ansprüche angepasst. Seit Kurzem gibt es z. B. den Elektriker für Gebäudesystemintegration.

In allen Handwerksberufen arbeitet man mit den Händen, fertigt Produkte aller Art an oder repariert die verschiedensten Dinge. Ob Fliesenleger, Fotograf oder Friseuse - in allen Handwerksberufen macht man ganz unterschiedliche Sachen.

Der duale Weg

Deutschland hat seit vielen Jahren eine starke Wirtschaft und starke Unternehmen. Das gilt für große Konzerne und für den breit aufgestellten Mittelstand einschließlich zahlreicher Handwerksbetriebe. Eine der wichtigsten Grundlagen für diesen Erfolg ist die kontinuierliche Ausbildung von Fachkräften im deutschen dualen Ausbildungssystem. Das duale Berufsausbildungssystem in Deutschland ist international anerkannt und einer der Gründe für die geringe Jugendarbeitslosigkeit.

Im dualen System werden junge Menschen nach ihrer Schulzeit zweigleisig ausgebildet. Ungefähr 70 % der Zeit erfolgt unmittelbar in einem Betrieb (an Ausbildungsplätzen) ca. 30 % an der Berufsschule. Der betriebliche und der schulische Teil sind inhaltlich aufeinander abgestimmt. Die Auszubildenden können sich an klar definierten Ausbildungsstandards orientieren, die durch die Berufsbildungspolitik geregelt werden.

Azubis erlernen Berufe nicht nur theoretisch oder praxisähnlich simuliert, sondern am Arbeitsplatz in realer beruflicher Praxis. Die Abschlüsse werden bundesweit von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft anerkannt. Damit ist der Grundstein für beruflichen und wirtschaftlichen Erfolg gelegt. Arbeitgeber, die selbst ausbilden, haben einen direkten Einfluss darauf, dass es genügend Fachkräfte gibt. Die Unternehmen können Ausbildungsinhalte zum Teil unmittelbar auf den Bedarf Ihres Unternehmens abstimmen. Nicht zuletzt ist die duale Berufsausbildung für den deutschen Staat und somit die ganze Gesellschaft von Vorteil.

Wie funktioniert der duale Weg?

Im deutschen Berufsbildungssystem hat die duale Ausbildung ihren festen Platz. Sie steht zwischen allgemeiner Schulbildung und Arbeitsmarkt und ist eine Alternative zum Studium. Die Jugendlichen entscheiden sich für einen anerkannten Lehr- oder Ausbildungsberufe.

Im Ausbildungsvertrag sind wesentliche Eckpunkte festgelegt. Dauer, Lerninhalte im zeitlichen Ablauf, Ausbildungsvergütung und Urlaubsansprüche. Ein Großteil ist gesetzlich geregelt. Die Auszubildenden lernen an festgelegten Wochentagen (oder in Blockkursen) in der Berufsschule und Ihrem Betrieb. Die Berufsschule vermittelt allgemeines und fachliches Grundlagenwissen. Im Betrieb lernt man konkrete Arbeitsschritte unter realen Arbeitsbedingungen.

Meistens ist die Arbeit in die echten betrieblichen Abläufe integriert. Nach der Lehre folgt die Abschlussprüfung. Die Prüfung ist durch die jeweilige Handwerkskammer organisiert, Arbeitgeber und Arbeitnehmer nehmen daran teil, ebenso staatliche Berufsschullehrer. Nach erfolgreicher Prüfung bekommt der Azubi sein Ausbildungszeugnis.

Die überbetriebliche Ausbildung

Die überbetriebliche Ausbildung ist ein Qualitätsmerkmal der handwerklichen Lehre und ergänzt die Arbeit im Unternehmen. Die Lehrlinge kommen (ca. ein bis zwei Wochen pro Jahr) in die Werkstätten der Handwerkskammer. Sie lernen wichtige Fertigkeiten. Auch Lehrlinge aus kleinen Betrieben arbeiten so mit neuesten Technologien, die nicht in jeder Firma vorhanden sind. Die Arbeit ist realitätsnah und entspricht normalen Kundenaufträgen.

Seit die duale Berufsausbildung 1890 eingeführt wurde, ist das System in Deutschland eine Erfolgsgeschichte. Es wird stetig verbessert und an aktuelle Entwicklungen angepasst.

Zweiter Grund: Die hohe Qualität

Die Handwerkskammer

Facharbeiter werden in Deutschland auch in kleinen Betrieben hervorragend ausgebildet und sind technisch auf dem neuesten Stand. Ein Grund für die gleichbleibend hohe Qualität der Arbeit sind die Handwerkskammern.

Jeder Handwerksbetrieb ist Mitglied in seiner regionalen Handwerkskammer und zahlt Mitgliedsbeiträge. Die Entscheidungsgremien der Kammer bestehen aus gewählten Vertretern direkt aus der Praxis, ein Drittel sind Arbeitnehmer.

Die Handwerkskammern achten auf eine gute Ausbildung und setzen die Standards für den Meistertitel. Dazu bieten sie zahlreiche technische und kaufmännische Fortbildungen an – z. B. zum Techniker oder zum Betriebswirt. Die Handwerkskammern organisieren die überbetriebliche Ausbildung. Diese Qualitätsstandards machen das deutsche Handwerk weltweit einzigartig. Die Handwerker leisten tolle Arbeit und sorgen für zufriedene Kunden. Gemeinsam halten alle Betriebe “die Wirtschaftsmacht von nebenan” auf Erfolgskurs.

Der Meister

Der Meisterbrief made in Germany wird international anerkannt und steht weltweit für Qualität und Können. Die gleichbleibend hohe Qualität stellt die einheitliche Ausbildung und Prüfung durch die Handwerkskammer sicher. Erfahrene und zertifizierte Lehrer unterrichten gewerbespezifisches Wissen. Die Prüfung erfolgt in Theorie und Praxis (Meisterstück).

Viele Handwerkstätigkeiten bergen Gefahren - für Handwerker und Kunden (Schweißarbeiten, Unfälle, Wasserschaden, Elektrizität etc.). Die Meisterpflicht für über 50 Gewerbe stellt fehlerfreie Arbeit sicher.

Mit fachmännisch erledigter Arbeit gibt es keine Reklamationen und keine teuren Schäden. Wenn Sie einen Meisterbetrieb beauftragen, haben Sie einen kompetenten Ansprechpartner, der für seine Arbeit gerade steht. Sie werden nicht von Subunternehmer zu Subunternehmer weitergeleitet.

Dritter Grund: Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Niemand will Fortschritt und Digitalisierung verteufeln. Viele Internetunternehmen schaffen jedoch keine hochqualifizierten Arbeitsplätze. Damit erzeugen sie auf Dauer große Probleme für jeden Staat und jede Gesellschaft.

Gute Zukunftsaussichten

2017 schlossen in Deutschland knapp die Hälfte aller Jugendlichen eines Jahrgangs (mehr als 500.000) eine duale Berufsausbildung ab. Weit über 400.000 Unternehmen bilden aktiv aus, zwei Drittel davon übernehmen ihre Azubis. Fast niemand blieb nach der Lehre ohne Anstellung. Die gesellschaftliche Bedeutung dieser Leistung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Jungen Menschen eine Perspektive zu geben, sie in die Lage zu versetzen, eine Familie zu gründen, ist ein unschätzbarer Erfolg. Sogar in Europa scheitern viele Länder daran, Jugendliche in Ausbildungsplätze und Arbeit zu bringen. Nichts sichert Stabilität, Zusammenhalt und friedliches Miteinander mehr als der Wohlstand einer breiten Mittelschicht.

Auf der Suche nach dem Facharbeiter

Trotz prall gefüllter Auftragsbücher stehen viele Betriebe vor einem riesigen Problem. Zehntausende qualifizierter Arbeiter fehlen, bis 2030 soll es 137.000 sein. Zu Wenig Personal bedeutet, dass Unternehmen Aufträge nicht abarbeiten können, offensichtlich wird das vor allem in der Bauwirtschaft. Diese Entwicklung ist der boomenden Wirtschaft und der demografischen Entwicklung geschuldet. Die starken Jahrgänge gehen zunehmend in Rente.

Neue Arbeitsmodelle

Um Fachkräfte zu gewinnen, müssen Betriebe ganz neue Wege gehen und stehen dabei in vorderster Front der gesellschaftlichen Entwicklung. Viele Frauen haben Spaß an Werkzeug und Technik, sie arbeiten vermehrt in Branchen, die Ihnen früher versperrt waren. Betriebe entwickeln familienfreundliche Arbeitszeiten und individuelle kreative Lösungen für unterschiedliche Lebensmodelle.

Integration von Migranten

Die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt ging nach Einschätzung von Experten schneller als gedacht. 40 % aller Geflüchteten im erwerbsfähigen Alter haben 2019 eine Beschäftigung (Quelle: das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung). Die Integration in den Arbeitsmarkt funktioniert. 50 % der Migranten sind als Fachkräfte tätig.
Das Handwerk ist gelebte Integration mit Arbeit, Sozialkontakten, Sprache und Kultur.

Vierter Grund: Ohne Handwerk läuft nichts

Handwerker sorgen dafür, dass zahllose Dinge und Prozesse im Alltag funktionieren. Von A wie Auto bis Z wie Zahnspange – alles wird von Handwerkern gemacht. Das Handwerk hat Zukunft. Die Menschen werden immer wohnen, essen, eine Heizung brauchen oder Kleider. Die Digitalisierung verändert die Berufe, aber sie schafft sie nicht ab.